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10.12.2012 16:35 Alter: 5 yrs
Von: Susanne Jochner

Start der Formaldehyd-Messungen am Schneefernerhaus

Fernab von Verkehr und Industrie werden in 2650 m Höhe Luftschadstoffe gemessen


Das Labor zur Messung der Luftschadstoffe auf der UFS

Die Umweltforschungsstation Schneefernerhaus (UFS) ist Deutschlands höchst gelegene Forschungseinrichtung. Um genaue Informationen über das heutige und künftige Klima zu erhalten, werden seit 1998 unterhalb des Gipfels der Zugspitze chemische und physikalische Eigenschaften der Atmosphäre untersucht. Dort, wo die Luft nicht durch lokale Schadstoffemissionen belastet ist, lassen sich nämlich umfassendere Aussagen über den Zustand der Atmosphäre treffen.

Auch das Fachgebiet für Ökoklimatologie betreibt Forschung an der UFS; vor allem im Bereich der Atmosphärenchemie. Kürzlich nahmen die Wissenschaftler ein Gerät zur Messung der Formaldehyd-Konzentration in Betrieb. „Mit diesen Messungen wollen wir genauere Rückschlüsse auf chemische Prozesse erhalten“, so Dr. Michael Leuchner vom Fachgebiet für Ökoklimatologie. „Denn Formaldehyd stellt eine bedeutende Radikalquelle dar, ist Vorläufersubstanz von Ozon sowie Indikator für die photochemische Aktivität in der Atmosphäre.“

Formaldehyd ist aber auch ein Reizgas, das vor allem in der Innenraumluft unerwünscht ist. Die gesundheitlichen Auswirkungen reichen von Reizungen der Augenschleimhaut und Schnupfen bis hin zu Unwohlsein und Kopfschmerzen. Auch steht das Gas in Verdacht, neurotoxisch und krebserzeugend zu sein.

Die Entstehung von Formaldehyd ist vielfältig. Die wichtigste anthropogene Formaldehyd-Quelle ist die unvollständige Verbrennung von organischen Substanzen. Autoabgase oder Zigarettenrauch weisen dabei sehr hohe Konzentrationen auf. Der Reizstoff entsteht auch sekundär - durch Photooxidation in der Atmosphäre. Eine indirekte natürliche Quelle stellt die Vegetation dar. Sie emittiert während der Photosynthese oder als Stressreaktion sogenannte biogene flüchtige organische Verbindungen (BVOC). Dies sind Kohlenwasserstoffverbindungen, die durch Oxidation in der Atmosphäre unter anderem zu Formaldehyd umgewandelt werden.

Im Vordergrund stehen nun die Fragen, ob die gemessenen Formaldehyd-Konzentrationen überwiegend aus natürlichen oder anthropogenen Quellen stammen, aus direkten Emissionen oder sekundärer Produktion. Um dies beantworten zu können, nutzen die Wissenschaftler neue statistische Verfahren und Informationen über weitere Luftbestandteile wie etwa Aerosole, CO2-Isotopenverhältnisse oder Nicht-Methan-Kohlenwasserstoffe (NMHC), welche ebenfalls auf der UFS gemessen werden.